Keep on going…

Ein aufregendes Triathlon-Wochenende geht zu Ende. Ja, Langdistanzen dauern bekanntlich etwas länger. Aber wie fing alles an – im Ironman Jahr 2016. Zu Beginn stand der Wechsel zu einem neuen Trainer (Martin Mahringer), hinein in eine super Trainingsgruppe namens TriMaMa. Der Name ist Programm und meine Teammitglieder sind spitze. Danke schon mal an dieser Stelle an dich Martin und euch allen für's Unterstützen und Supporten.

Aber wie ging es nun wirklich los? Bekanntlich wird der Triathlet im Winter geformt. Also startete ich mit der akribischen Vorbereitung im Dezember 2015. Schwimmen, Stabi und viel Grundlagen standen am Programm. Hier mein herzlichster Dank an Markus Keck, dessen Agegrouper Schwimm-Training mich stetig weiterbrachte. Auch wenn ich gleichzeitig im Wettkampf immer feststellen muss, dass Training und Rennen zwei Paar Schuhe sind. Das Training verlief sehr gut und ich konnte ohne gröbere Verkühlung oder Krankheit perfekt durch den Winter trainieren. Im März ging es voll Elan ins Trainingslager nach Lanzarote. Gemeinsam mit einer coolen Gruppe kämpften wir auf der Insel gegen Wind und die Berge. Härtetraining für das was noch kommen wird. An dieser Stelle sei angemerkt, dass Lanzarote eine imposante Insel ist, für meinen Geschmack aber zu karg und windig.

Bei meinem ersten Vorbereitungswettkampf, einem Duathlon in Parndorf (10km Lauf/40 km Rad/ 5 km Lauf), konnte mir der burgenländische Wind wenig an, da ich ihn von Lanzarote gewohnt war. Alles lief perfekt und so stand am Ende der 8. Platz bei den Staatsmeisterschaften in meiner Altersklasse zu Buche. Die Form stimmt also. Dass ich stets mit der vollsten Unterstützung meiner Frau Sandra, hinsichtlich meiner sportlichen Aktivitäten rechnen kann, zeigt die Tatsache, dass sie kurzerhand das 6-tägige Wettkampf-Vorbereitungscamp in Kroatien (organisiert von Tri&Bike-Tours Valentin Zeller) unserer TriMaMas gebucht hat. 6 intensive Tage, die aber deutlich machten, dass meine Formkurve in allen Disziplinen stetig nach oben geht.

Nächste Station war die Halbdistanz (1,9 Swim/90 km Rad/21,1 km Lauf) in Linz. Sozusagen mein Heimrennen. Voll aus dem Training, also ohne üblicher Regeneration vor einem Wettkampf, ging es Ende Mai vor allem temperaturtechnisch ans Eingemachte. Der Wettkampf war zum Abhaken. Kein Rhythmus beim Schwimmen, wenig Druck am Pedal beim Radfahren und beim Laufen ab km 17 massive Probleme mit dem Magen. Naja, das war ja nur ein Vorbereitungswettkampf und in Klagenfurt sieht alles ganz anders aus – so mein Motto! Als kleines Trostpflaster gab es, für's Durchkämpfen in Linz, ein Ticket für die Halbdistanz-EM in Walchsee im Herbst 2016. Durchhalten lohnt sich also!

Der Tag X rückte näher und näher. Das Training lief gut, auch wenn auf Grund der atypisch niedrigen Temperaturen im heurigen Frühjahr, an ein Schwimmen im Freiwasser und vernünftige, lange Radausfahrten kaum zu denken war. Aber egal, ich kompensierte alles im Schwimmbad und auf der Walze. Sozusagen Kacheln zählen und Stärke im Kopf aufbauen, die ich noch brauchen werde…

Die Vorfreude stieg Tag für Tag und am vergangenen Donnerstag war es dann so weit. Zusammenpacken, Wohnmobil abholen und auf nach Klagenfurt. Ja, es war eine Premiere für uns – Übernachten im Wohnmobil. Und ich kann euch sagen, speziell bei solchen Events ist es die perfekte Lösung. Alles bei der Hand und kürzeste Wege vor Ort – genial! Freitag und Samstag widmeten wir ganz der Wettkampfvorbereitung. Einchecken, Startunterlagen abholen und viel Ruhe. Und eine weitere Neuigkeit stand am Programm – Ernährung umstellen auf Wettkampfbetrieb. All diejenigen, die meinen „Leidensweg“ bei Langdistanzen bereits kennen, wissen, dass mir bisher der Magen immer einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Übelkeit, Erbrechen und Magenkrämpfe standen beim abschließenden Laufen immer auf der Tagesordnung. Deshalb stellte ich auch auf Ensure um. Im Training mehrfach erprobt, sollte mich diese medizinische „Astronautennahrung“ rund 48 Stunden durch das Ironman-Wochenende bringen. Es fühlte sich von Beginn gut an und ich kann auch mit Fug und Recht behaupten, dass diese Entscheidung perfekt war.

Ausgeruht und entspannt begann der Renntag um 05:00 Uhr früh. Ich stellte übrigens meinen Biorhythmus in den Tagen davor langsam auf das frühe Aufstehen um. Auch auf diese Kleinigkeiten achtete ich dank meines Trainers Martin. Die Handgriffe sind schon fast Routine. Das Frühstück mit Ensure schmeckte gut. Der Weg zur Wechselzone und retour war dank unseres Campers kurz und so stand ich um 6:50 Uhr in der Startbox für den Rolling Start zum Schwimmen. Wie Rennpferde wurden wir in einen Kanal getrieben und auf das Wasser losgelassen. Der Start war überraschend entspannt und ich fand rasch in einen guten Rhythmus. Einzig die Orientierung fiel mir auf dem ersten Kilometer sehr schwer, da auf Grund vieler Boote, Stand-Up Paddler & Co die Bojen nur sehr schlecht zu sehen waren. Aber egal, da muss ich durch. Den Lendkanal, der letzte Kilometer Richtung Schwimmausstieg, traf ich punktgenau und so ging es im Sog Richtung Land.

Als ich nach über 4 km, normalerweise sollte die Strecke 3,8 km betragen, mit 1:18:00 endlich festen Boden unter den Füßen hatte, hieß es rein in die Radklamotten und ab aufs Rad. Mein Motto für dieses Jahr lautet Genuss vor Bestzeit. So hielt ich mich von Beginn beim Radfahren zurück. Allerdings kam ich mir dabei irgendwie fehl am Platz vor. Ich fragte mich:„Was mache ich hier?“ Der Kopf wollte nicht richtig in den Rennmodus schalten. Das obligatorische klagenfurt'sche Mannschaftszeitfahren fand auch dieses Jahr wieder statt. Knapp 3.000 TeilnehmerInnen sind einfach zu viel für diese Strecke – aber egal. Erst ab km 70 wollte der Motor anspringen. So fuhr ich die restlichen 110 km in zügigerem Tempo zu Ende. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf mich etwas zurückzuhalten, um einen guten Marathon laufen zu können. Mein Durchschnittspuls am Rad von 136 Schlägen bestätigte mir, dass ich taktisch alles richtig gemacht habe. Die Ernährung mittels Ensure funktionierte perfekt. Das Iso-Getränk von High 5 schmeckte richtig gut und so kam ich nach 5:27:00 zurück in die Wechselzone.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass mich wahrscheinlich die vielen Supporter an der Radstrecke und vor allem der Kuss meiner Frau am Wendepunkt - dort hielt ich kurz an, was auch eine Gruppe Italiener zu Begeisterungsstürmen animierte - so richtig Energie für die zweite Radrunde gegeben hat. Rein in die Laufschuhe und ab auf die Laufstrecke. Es fühlte sich gut an. Ruhig über den Mittelfuß laufen und aufrechte Haltung. Genau wie es mir mein Trainer mit auf den Weg gegeben hat. Die ersten 11 km in 55 min – also exakt im Plan. Einzig massives Seitenstechen machte mir stetig zu schaffen, was ich aber auch ganz gut im Griff hatte. Bei km 21 ein kurzes „Es geht mir vom Magen sehr gut“ zu Sandra und weiter im Plan. Die Individualverpflegung funktionierte perfekt. Allmählich stellte sich eine gewisse muskuläre Müdigkeit ein und die Kilometerzeiten vielen etwas ab. Egal, mit Schmerzen habe ich schon früher gerechnet. Schritt um Schritt ging es weiter. Zahlreiche Supporter allen voran Sandra und meine TriMamas pushten mich. Mike und Martin H. schmiedeten mit mir einen Plan, wie ich den zweiten Teil des Marathons überstehe. Danke dafür! Bei km 25 dann ein Schluck Wasser an der Labe. Bis dahin habe ich nur mein eigenes Iso-Getränk von High 5 getrunken. Plötzlich kam das Wasser zurück, wie von einem Trampolin und nur wenige Sekunden nach dem hinunterschlucken, unterhielt ich mich intensiv mit einem Mülleimer. Schei….! 10 min Pause auf der Parkbank, motivierende Zusprüche von den zahlreichen, wunderbaren, mitfühlenden Zuschauern entlang der Strecke, brachten mich zumindest zum Wiederaufstehen und Weitergehen. An ein Laufen war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken. Mental war ich an dieser Stelle am Ende. Irgendwo in Krumpendorf, wissend, dass ich mich endgültig von Genuss und einer in meinen Augen vernünftigen Endzeit verabschieden kann. Stellt euch vor ihr habt ein Ziel vor Augen und es rückt Stück für Stück in weitere Ferne. Was motiviert dich an dieser Stelle noch, um trotzdem weiter zu machen? Sicher nicht der Gedanke, dass du gehend noch knapp 3 Stunden vor dir hast, wenn du die Ziellinie als Ironman erblicken willst. Ein Anruf mittels geborgtem Handy bei Sandra mobilisierte meine Supporter. Und so standen nach kurzer Zeit Lisa, Valentin und kurz darauf auch Sandra vor mir. Einmal mehr erkannte Sandra, dass es kein muskuläres Problem, sondern ein rein mentales am heutigen Tag bei mir ist. Sie pushte mich so sehr, dass wir uns entschlossen, gemeinsam die letzten 11 km herunter zu spulen.

Solch ein Marsch hat auch etwas Beruhigendes. Man reflektiert den Wettkampf, kommt mit Leidensgenossen ins Gespräch und kommt dem Ziel Schritt für Schritt näher. Ganz so entspannt ist das Ganze natürlich nicht, aber vor allem die Bekanntschaft mit Pedro, der eine Einladung nach Lissabon folgte, möchte ich keinesfalls missen. Sport verbindet eben! Einmal noch durch die Altstadt von Klagenfurt. Unterstützt von Sandra, die während dem Gehen alle Supporter vor Ort und zu Hause per Handy mit Nachrichten versorgte. Der verdammte Lendkanal könnte wirklich etwas kürzer sein. Vorbei am Eisstand, dieses Jahr gönnte ich mir kein Vanilleeis und hinein Richtung Zielstadion.

Dieser Moment ist einzigartig und egal wie es dir auf den zurückliegenden 226 km ergangen ist, an dieser Stelle hat jede/r TeilnehmerIn ein breites Grinsen im Gesicht. Und so lautete es auch dieses Jahr für mich „You are an Ironman“ und es klang wieder wie Musik in meinen Ohren. Alles Leid, alle Entbehrungen, alle Schmerzen waren wie weggeblasen. Ein Glücksgefühl, das man nicht beschreiben kann und als Außenstehender wahrscheinlich auch kaum versteht, sondern selbst erleben muss. Medaille um den Hals, Finisher-Shirt abholen und nur genießen. Grillhenderl und Kaiserschmarrn als erste feste Nahrung nach 48 Stunden und dazu ein Spritzer Aperol - ok es waren 2 – machten den Tag perfekt. Ganz perfekt war er allerdings erst als ich mein Versprechen an Sandra einlösen konnte. Der Besuch der Finisher-Party zu Mitternacht samt Feuerwerk. 2x war es mir wegen massiver Magenkrämpfe verwehrt daran teilzunehmen. Dieses Jahr war es endlich an der Zeit. Wir genossen das Feuerwerk gemeinsam mit TriMaMa-Freunden und einigen TriRunnern. Danke nochmals in dieser Stelle für die vielen UnterstützerInnen (Martin M., Lisa & Valentin, Alex & Manfred, Dani & Günther, Mike, Martin H., TriMichi, Wolfgang, Gernot, Mario, Barbara & Felix, Nicola, Michi W., Sushi, Peter, alle Daheimgebliebenen - Robert & Flo, Linda & Stefan, Michi, Johannes, Carola, meine Familie, alle TriRunner), die großteils extra für uns Wahnsinnigen angereist sind, sich für uns die Hände wundgeklascht haben, sich die Seele aus dem Leib geschrien haben und uns AthletInnen so viel Kraft gegeben haben, dass wir am Ende die Ziellinie überschreiten konnten.

Ein Gedanke geht an dieser Stelle auch Richtung Carlos. Ein Trirun-Vereinskollege, der vom Pech verfolgt ist und beim Schwimmen nach wenigen Metern einen so massiven Schlag auf den Kopf bekommen hat, dass er mit einer Gehirnerschütterung aufgeben musste. Es tut mir wahnsinnig Leid für dich, aber ich bin überzeugt, dass auch du noch eine herrliche Langdistanz erleben wirst – egal mit welcher Endzeit! Auch bei mir ist noch eine Rechnung offen…

Mein allerletzter Absatz gilt einzig und alleine jener Person, die in meinem Leben, das mit Abstand Wichtigste für mich ist – meine Prinzessin Sandra. Egal wie es mir geht und in welchem physischen oder mentalen Zustand ich mich befinde, sie ist jene Person die mir unendlich viel Kraft gibt und mich glücklich macht. Danke, danke und nochmals danke – ich liebe dich!

 

Erkenntnis & Fazit:

Viele Leute haben sich, ob meiner extremen Magenprobleme bei mir gemeldet. Herzlichen Dank dafür und ich werde sicher zahlreiche Tipps ausprobieren. Mein Problem liegt aber denke ich wo anders. Ich bin sehr schnell seekrank. Auf einem Kreuzfahrtschiff muss ich vor dem Auslaufen eine Tablette nehmen. Im Bus muss ich meist weit vorne sitzen. Eine Heimfahrt nach dem Schwimmtraining als Beifahrer bedeutet für mich, schweißgebadet zu Hause anzukommen und ein 4D-Kino ist für mich der Alptraum. Im Wettkampf hatte ich auch dieses Mal einen flauen Magen, der sich aber dank der Ruhe am Rad und meinem entspannten Renntempo, beruhigte. Beim Laufen hielt er dank des entspannten Tempos auch gut durch. Bei km 25 war es aber dann doch zu viel. Naja, vielleicht heißt es in Zukunft vor dem "Auslaufen" beim Start - Anti-Seekrankheitstablette schlucken. Stay tuned!